Strommangellage - Wie können wir uns darauf vorbereiten?

Eine Strommangellage wird vom Bund als eines von drei relevanten Zukunftsrisiken betrachtet. Auch wir von Amstein + Walthert beschäftigen uns intensiv mit diesem Thema. Gemeinsam mit unseren Kund*innen und Partner*innen treffen wir entsprechende Vorbereitungen. Dieser Beitrag beantwortet erste Fragen rund um das Thema gemäss aktuellem Kenntnisstand.

Wer wird von einer möglichen Strommangellage betroffen sein, und wie?

Wenn in der Schweiz nicht genügend Strom zur Verfügung stehen sollte, dann sind wir grundsätzlich alle von einer Strommangellage betroffen. Insbesondere dann, wenn die Stromversorgung in Teilen eines Verteilnetzgebiets für eine gewisse Zeit aufgrund behördlicher Anordnungen abgeschaltet werden muss.
Um eine Stromknappheit ohne Abschaltungen zu überstehen, schöpft der Bund zunächst drei Stufen aus:

  1. Sparappelle
  2. Abschaltung nicht absolut notwendiger Verbraucher
  3. Stromkontingente für grosse Strombezüger (Grossverbraucher)

Je nach Massnahme werden die unterschiedlichen Verbrauchergruppen wie folgt angesprochen:

Gebäudeeigentümer*innen: Sie werden aufgefordert werden, Gerate auszuschalten, deren Betrieb nicht absolut erforderlich ist. (z. B. Beleuchtung zu Werbezewecken, Rolltreppen, im privaten Elektrodirektheizungen oder Saunen).

Grossverbraucher: Auch wenn erste Massnahmen wie Sparappelle sich an die Bevölkerung und die Grossverbraucher gleichermassen richten, so richtet sich die Kontingentierung mit der Verpflichtung, eine bestimmte Menge an Strom einzusparen, nur an Strombezüger über 100’000 kWh pro Jahr, sogenannte Grossverbraucher. Der Bundesrat legt in seiner Bewirtschaftungsverordnung auf Grundlage einer vergangen Referenzperiode ein Stromkontingent für einen entsprechende Zeitraum fest. Dabei sind Einsparvorgaben in der Grössenordnung von 5-20 % durchaus denkbar.

Energieversorgungsunternehmen (EVU): Über ihren Verband VSE sind die EVU eng in die Organisation von Ostral eingebunden. Als Betreiber des Stromverteilnetzes sind sie für die Umsetzung der angeordneten Massnahmen zuständig. Gleichzeitig dürften sie für die meisten Stromkund*innen der erste Ansprechpartner in Fragen der Versorgungssicherheit sein. Die EVU sind dafür verantwortlich, dass der voraussichtliche Energiebedarf über eigene Produktionsanlagen oder durch Zukäufe jederzeit gedeckt ist. Mit den aktuellen Preissteigerungen auf den Energiemärkten wird auch diese Aufgabe zunehmend anspruchsvoller.

«Im Kern müssen wir verstehen, welche Haupt- und Nebenprozesse wie viel Strom verbrauchen und diese im Hinblick auf die Strommangellage bewerten und priorisieren.»

Verdegaal Joke
Teamleiterin Energieconsulting

Ist es möglich, sich auf eine Stromknappheit vorzubereiten?

Wie können wir verhindern, dass es wie damals zu Beginn der Pandemie zu Panikreaktionen kommt? Die Prozesse müssen stehen, damit bei Bedarf Massnahmen ausgelöst werden können.

Für Gebäudeeigentümer*innenist es eine Möglichkeit, ihren Autarkiegrad zu erhöhen und so die Abhängigkeit vom Stromnetz möglichst zu verringern. Die Produktion von Solarstrom auf dem eigenen Dach und an der Fassade in Verbindung mit einem Batteriespeicher leistet beispielsweise einen gewissen Beitrag, sodass die Mangellage gar nicht erst eintritt. 

Grossverbraucher sollten grundsätzlich wissen, was im Fall einer Strommangellage zu tun ist, um möglichst unbeschadet durch eine solche Phase zu kommen. Das Unternehmen muss wissen, welche eigenen Verbraucher wann und in welcher Reihenfolge abgeschaltet werden können, wie die Tageskontingente berechnet werden und wie der Energieverbrauch überwacht werden kann. Verantwortliche Personen müssen definiert und in die Notfallplanung eingebunden werden.

EVU können sich vorbereiten, indem sie Massnahmen zur Förderung der Versorgungssicherheit identifizieren und umsetzen. Vorbeugend haben sie in ihrem Verteilnetzt sowohl die Möglichkeit, den Bedarf zu senken, als auch durch gezielte Förderung Industriebetriebe zu Energieeffizienzmassnahmen zu motivieren. Die Abhängigkeit von externem Strom können sie durch die Erhöhung der Eigenproduktion können sie ausserdem weiter reduzieren.  

Sollte es tatsächlich zu einer Mangellage kommen, so können EVU bei Sparappellen mithelfen. Dank intelligenten Stromzählern (Smart Meter) beispielsweise können die Verbraucher viel feiner differenziert und somit priorisiert werden. Aber auch intelligente Verteilnetze (Smart Grids) können helfen, im Mangelfall schneller und gezielter einzugreifen.

Was können wir heute konkret beitragen?

Drei Schritte zur Unterstützung der Versorgungssicherheit:

  • Effizienzmassnahmen umsetzen, um weniger Strom vom Netz zu beziehen
  • PV-Anlagen installieren, mit Optimierung der Produktion im Winter z. B. an Fassaden
  • Speichermöglichkeiten nutzen

Bei Amstein + Walthert arbeiten Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen interdisziplinär zusammen, um für unsere Kund*innen und Partner*innen und nicht zuletzt auch für uns selbst eine grösstmögliche Sicherheit in der Energieversorgung zu schaffen. Durch das Denken in Szenarien und Eventualitäten wollen wir gemeinsam Probleme lösen, bevor sie überhaupt erst auftreten. Wenn auch Sie Unterstützung wünschen, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. 

Unsere Expert*innen zum Thema:

Stefan Brändle
Experte Erneuerbare Energie, Energiestadtberater
Tel +41 44 305 93 80

Dominik Rohrer
Bereichsleiter Energiewirtschaft bei Schnyder Ingenieure ZG AG
Tel +41 41 784 54 91 

Joke Verdegaal Frei
Energieingenieurin, Teamleiterin Energieconsulting
Tel +41 31 340 59 18

Weitere Informationen zum Thema und unseren Dienstleitungen finden Sie im Onepager Strommangellage: Planung für den Ernstfall. Ausserdem bei OSTRAL, der Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen. Diese wird beim Eintreten einer Strommangellage auf Anweisung der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) aktiv.

«In Kombination mit Photovoltaikanlagen empfehlen wir unseren Kund*innen bereits heute den erforderlichen Platz für einen Energiespeicher und dessen späteren Einbau zu berücksichtigen.»

Brändle Stefan
Teamleiter Solarenergie

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