«Östlich von Zürich habe ich wohl schon jeden Nationalstrassentunnel inspiziert»

Zur gleichen Zeit als das Projekt «Erneuerung BSA Schaffhausen» bei A+W Progress startete, trat Michael Sutter als Projektleiter in das Unternehmen ein. Das war 2013 – und Michael war frisch ab Studium. Über Erlebnisse und Erkenntnisse beim Projekt, das im Dezember 2020 abgeschlossen wird, sowie über prägende und hilfreiche Erfahrungen aus der Jugendzeit spricht der Consultant im Interview.

Vor rund sieben Jahren fiel der Startschuss zum Projekt «Erneuerung BSA Schaffhausen» sowie zu deiner Karriere bei A+W Progress. Wie hast du das Projekt und deine Aufgaben darin erlebt?

«Nach Abschluss meines Studiums der Elektrotechnik mit Schwerpunkt Mikroelektronik an der HSR Rapperswil startete ich bei A+W als Projektleiter – und zwar direkt bei der Erneuerung BSA Schaffhausen, also der Erneuerung der Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen (BSA) in den Tunnels der Stadt Schaffhausen. Dieses Projekt beinhaltet die zwei Tunnels Cholfirst und Fäsenstaub sowie die Galerie Schönenberg, welche die Stadt unterqueren. Mittlerweile bin ich Consultant, der Tätigkeitsbereich ist allerdings der gleiche wie derjenige eines Projektleiters. Einzig die Laufbahn unterscheidet sich.

Das Projekt in Schaffhausen wurde vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) ausgeschrieben, wobei der Zuschlag A+W Progress erteilt wurde. Kurz nach diesem Entscheid stiess ich zur Firma und zum Projekt. Das Projekt Erneuerung BSA Schaffhausen beinhaltete unter anderem die Erneuerung der Energieversorgung, der Kabel, der gesamten Beleuchtung, der Signalisation und der Videokameras, die nach 25 Jahren ihre Lebensdauer erreicht haben. Solche Projekte verlaufen mehrstufig: Einzelne Phasen müssen abgeschlossen werden, bevor die nächste angegangen werden kann. Begonnen haben wir mit der SIA Phase 3 Projektierung (Massnahmenkonzept und Massnahmenprojekt), die auf Basis von Vorstudien erstellt wird. Die nächste Phase ist die Ausschreibung und Vergabe an die Unternehmer für die eigentliche Realisation (Phase 5) und der Abschluss. Wir von A+W Progress – und spezifisch ich – waren bei den Phasen 3, 4 und 5 beteiligt. Natürlich hat sich während dieser acht Jahren auch der Inhalt meiner Arbeit verändert. Mit jeder Phase kommen neue Herausforderungen dazu, sodass man sich auch in anderen Rollen wiederfindet.»

Inwiefern konntest du das im Studium Gelernte beim Projekt BSA Schaffhausen anwenden?

«In meiner Ausbildung habe ich das Projektbusiness gelernt. Da ich aber aus einem komplett anderen Bereich – der Mikroelektronik – komme, kannte ich das Metier entsprechend noch nicht. Die Inhalte bei den A+W-Projekten sind sehr spezifisch. Viel läuft übers ASTRA und darum gibt es ganz schön viele Vorgaben und Richtlinien zu beachten (lacht). Fachtechnisch konnte ich vom Studium wenig anwenden, das habe ich on the job gelernt. Zu Beginn wurde ich dabei auch eng von meinen Kollegen und Vorgesetzten begleitet. Ich bin allerdings der einzige Beteiligte, der alle Rollen in diesem Projekt besetzte, d.h. alle Projektphasen begleitete. Anfangs war ich für einen Teilbereich des Projekts zuständig, jetzt zum Schluss bin ich Chefbauleiter. Wie viele Leute abgesehen von mir am Projekt BSA Schaffhausen beteiligt sind, hängt von den einzelnen Phasen ab: Einige Phasen waren sehr aufwändig – dann waren noch viele weitere A+W-Mitarbeitende involviert. Da ich gleichzeitig noch bei anderen Projekten mitwirkte, musste ich stets detailliert organisieren und meine Zeit gut einteilen. Das habe ich unter anderem im Jugendverein gelernt, bei dem ich früher aktiv war. Auch für die Projektleitung allgemein hat mir dieses Engagement sehr viel gebracht, etwa was die Führungserfahrung angeht. Was ich in der JUBLA gemacht habe, ist eigentlich das gleiche, was ich heute mache – einfach mit etwas mehr Vorgaben. Aber auch damals musste ich beispielsweise vor viele Leute hinstehen und präsentieren und in den Lagern grosse Verantwortung übernehmen.»

Warum ist das Tunnel-Projekt speziell und erwähnenswert – für A+W und für dich?

«Für uns als A+W Progress ist es eines der ersten Projekte, das wir von A bis Z – also mit allen Phasen – abgeschlossen haben bzw. abschliessen werden. Zudem war es für uns eines der ersten Grossprojekte auf Nationalstrassen. Das Projekt BSA Schaffhausen ist darum ein Referenzprojekt mit Leuchtturmcharakter.

Für mich persönlich ist es ähnlich: Ich freue mich, dass ich alle Phasen «durchmachen» konnte. Das ist nicht selbstverständlich. Gerade deshalb, weil solche Projekte mehrere Jahre dauern. Dass ich das Projekt eröffnen durfte und nun auch abschliessen kann, ist grossartig. Ich konnte dadurch überall reinschauen und alle Projektphasen erleben. Allerdings muss man so auch die Fehler, die man bei einzelnen Phasen möglicherweise gemacht hat, selber ausbaden – man kann die Verantwortung nicht einfach weiter- oder abgeben.»

Inwiefern hat dich das Projekt als Projektleiter und Consultant geprägt?

«Auch hier ist zentral, dass ich bei allen Phasen mitarbeiten konnte. Mich hat vor allem die Erfahrung mit den selbst verursachten Fehlern geprägt. Dies aber in gutem Sinne, weil man hier wirklich von den eigenen Fehlern lernen kann. Dies sorgt natürlich auch für mehr Bewusstsein für die sequentielle Arbeit und die Abläufe eines Projekts.»

In welchen anderen spannenden Projekten im Bereich BSA oder Strassen- und Tunnelbau hast du schon gearbeitet?

«Was ich bis anhin oft gemacht habe, sind Hauptinspektionen. Im Auftrag des ASTRA inspizieren wir die BSA in den Tunnels und der offenen Strecken. In der Nacht, wenn die Strassen gesperrt sind, läuft man durch den Tunnel (Fahrraum und Technikzentralen) und schaut sich dessen Zustand an. Gibt es irgendwo Rost? Funktionieren alle Anlagen und Signalisationen einwandfrei? Das ist eine Arbeit, die ich sehr gerne mache. Von Luzern bis Zürich Richtung Osten war ich in fast jedem Tunnel, habe das Inventar nachgeführt und die Zustände gemäss eines Punktesystems benotet. Das ist die Grundlage für Projekte, die dann ausgeschrieben werden, wie etwa die «Erneuerung BSA Schaffhausen». Ebenfalls in Schaffhausen bin ich beim Bau eines Sicherheitsstollens für den Tunnel Cholfirst dabei. Aktuell sind wir da in der Projektphase 4, also der Unternehmerbeschaffung.»

Was nimmst du vom Projekt mit? Was hast du gelernt?

«Etwas vom Wichtigsten ist: immer vorausdenken. Für mich war es anstrengend, wenn wir so viel Arbeit hatten, dass ich mich nicht mehr mit dem Projekt auseinandersetzten konnte. Denn muss immer à jour sein und darf nicht in die Situation kommen, dass man dem Projekt hinterherrennen muss. Das Ziel wäre vielmehr, dass man auf alle anderen warten muss (lacht). Dadurch kann man Probleme, die auftreten könnten, früh genug abfangen und rechtzeitig nach Lösungen suchen.

Ausserdem versuche ich mitzunehmen, dass man alle Beteiligten rechtzeitig miteinbezieht. Damit meine ich nicht nur die direkten Projektbeteiligten, sondern alle Parteien, die in irgendeiner Weise beim Projekt dabei sind, wie beispielsweise die Polizei. Es sollen jederzeit alle detailliert informiert werden. Das geht im Arbeitsalltag und in der Hektik leider oft vergessen.»

Das Projekt Erneuerung BSA Schaffhausen ist bald abgeschlossen. Welche Art von Projekt würdest du in Zukunft gerne begleiten?

«Die Arbeit beim Sicherheitsstollen finde ich ziemlich cool. Abgesehen davon freue ich mich auf die (hoffentlich) nächste Hauptinspektion.»

Möchtest auch du bei nationalen Grossprojekten dabei sein? Dann werde Teil von A+W und bewirb dich bei uns. Wir freuen uns auf dich.

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