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Stettbach Mitte mit BIM geplant – von der Theorie zur Praxis

Seit Jahren ist Building Information Modelling, kurz BIM, in aller Munde. Aber Hand aufs Herz – in wie vielen Projekten wurde die Methode tatsächlich schon angewendet, in welcher Tiefe und in welchen Projektphasen wirklich umgesetzt? Auftraggeberinnen wie die Kantone, Gemeinden oder auch die SBB schreiben den Einsatz von BIM immer mehr vor und so soll er in wenigen Jahren zum Standard werden. Was es dafür braucht und welche Steine noch aus dem Weg geräumt werden müssen, zeigt unsere Erfahrung bei der Planung von Stettbach Mitte in Dübendorf.

Direkt am Bahnhof Stettbach gelegen ist mit dem Gebäude-Ensemble «Stettbach Mitte» das neue Zentrum eines stark wachsenden Quartiers entstanden. Amstein + Walthert St. Gallen wurde mit der Planung sämtlicher Gebäudetechnikinstallationen, der Brandschutzplanung und den Spezialdienstleistungen Sicherheit/Türmanagement, Video- und Blitzschutzplanung beauftragt. Die Firma SENN als Totalunternehmerin hat die Initiative zur Erstellung eines digitalen Modells ergriffen.

Aus 2D wurde 3D und noch mehr

Die Planung des Projektes wurde traditionell nach dem SIA-Phasenmodell gestartet und mit der klassischen 2D-Planungsmethode realisiert. Nach Phase 32 des Bauprojektes wurde im Planungsteam die Sinnhaftigkeit der BIM-Methodik diskutiert. Die schlussendlich getroffene Entscheidung für diese noch recht neue Arbeitsmethode war verbunden mit der Erwartung, die Vorteile der Digitalisierung und den Mehrwert im Projekt nutzen zu können. Hinter dem Begriff BIM verbirgt sich eine revolutionäre Arbeitsweise, die die gesamte Prozesskette innerhalb des Planens sowie Bauens von Gebäuden optimiert und für mehr Transparenz, Zuverlässigkeit und Effizienz sorgen soll.

So viel wie nötig, so wenig wie möglich – ein wichtiger Grundsatz bei der Modellierung. 

Digitale Modelle müssen die Planung, Realisierung und Nutzung eines Bauwerks optimal unterstützen. Zu viele oder falsche Informationen führen genauso zu Fehlern und Ineffizienz wie mangelnde Angaben. Für die Modellierung gilt deshalb das Prinzip: so viel Information wie nötig, aber so wenig wie möglich. Und so wurden ausgehend vom BIM-Nutzungsplan in einem nächsten Schritt die Erstellung und der Unterhalt der BIM-Modelle geplant. In der Regel verwenden die am Planungs- und Bauprozess Beteiligten eigene, disziplinäre Modelle, die sie jeweils mit unterschiedlichen Software-Tools erstellen. Diese Modelle müssen bezüglich Attribut-Struktur, Element-Gliederung, Fertigstellungsgrad und Genauigkeit aufeinander abgestimmt werden. Das ist vor allem dann zwingend erforderlich, wenn mehrere Anwender*innen technisch dasselbe Modell verwenden.

Eine gemeinsame Grundlage schaffen – was heisst das?

Alle Fachdisziplinen haben ein neues Tool (z. B. Revit) eingeführt und jeweils ein Modell erstellt. Die Umstellung auf neue Werkzeuge und Prozesse war ein enormer zusätzlicher Aufwand, der nicht im Zeitplan berücksichtigt wurde und der das Team vor grösste Herausforderungen stellte. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Standardprozesse oder Bibliotheken mit vorbereiteten Bauteil-Familien, die man hätte verwenden können. Es wurde alles im laufenden Projekt entwickelt und erstellt, gleichzeitig mussten Fehlerquellen eliminiert und Kinderkrankheiten ausgemerzt werden. Die Herausforderungen waren aber nicht nur technischer Natur. Vielmehr erfordert die neue Arbeitsmethodik ein Umdenken, einen Kulturwandel, weg vom Silodenken hin zur integralen Zusammenarbeit. Unsere Mitarbeiter*innen hatten grosses Interesse und Freude an der neuen Arbeitsmethode – Flexibilität und Innovationsgeist waren die Voraussetzungen.

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Fachkoordination und Kollisionsprüfung

Zur Überprüfung der Modelle wurde die Koordinierungssoftware Navisworks von Autodesk verwendet. Sie hat viele Vorteile für die effiziente Abwicklung von BIM-Projekten. In unserem Anwendungsfall wurde sie dazu genutzt, die Aufgaben der Koordination zu vereinfachen und mögliche Kollisionen durch Automatismen zu erkennen. Diese Konfliktpunkte konnten so von den Fachplanern analysiert und bereits in der Planungsphase direkt behoben werden.
Unser interdisziplinäres Team konnte so mithilfe gemeinsamer Koordinationsräume und Arbeitsabläufe schnell Probleme schon vor der Bauausführung identifizieren und lösen, welche man ansonsten vielleicht erst auf der Baustelle festgestellt hätte. Der Workflow wurde so definiert, dass die offenen Aufgaben den einzelnen Projektbeteiligten zugewiesen und anschliessend in einer gemeinsamen ICE-Session bearbeitet wurden.

Ausführung

In der Ausführungsphase wurde mit Autodesk BIM 360 Glue und BIM 360 Docs gearbeitet. Die 3D-Modelle wurden im BIM 360 Glue abgelegt (Referenz- und Fachmodelle), während auf BIM 360 Docs die 2D Pläne und Dokumente für alle Projektbeteiligten verwaltet wurden. Wir haben bereits erste Gehversuche in der Anwendung zusammen mit den Unternehmern  gemacht, um offene Aufgaben und Probleme auf der Baustelle über dieses zentrale System zu verwalten.

Was haben wir gelernt

Die Implementierung der BIM-Methode ist zunächst mit einem enormen Mehraufwand verbunden. Daher ist es elementar, diese Arbeitsweise schon vor Projektbeginn festzulegen und auch die Ziele und Anwendungsfälle genau zu definieren. Dabei ist die Besteller-Kompetenz ein wesentlicher Faktor. Denn die Anforderungen und Bedürfnisse müssen über den gesamten Lebenszyklus der Immobilien und für die verschiedenen Anspruchsgruppen berücksichtigt und gemeinsam festgelegt werden.
Eine so grosse Umstellung braucht Raum und Zeit. Dieses völlig andere Arbeiten bedeutet nicht einfach das Erstellen eines zusätzlichen 3D-Modells. Es braucht mehr Kommunikation über alle Ebenen und entsprechende Schulungen für die Mitarbeiter*innen.

Von den grossen Schritten, die wir gemacht haben, werden wir natürlich in den neuen Projekten sehr profitieren. Der Initialaufwand ist erbracht, unsere Teams sind fit und so werden in den nächsten Projekten Nutzen und Mehrwert der BIM-Methode überwiegen.

 

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Zur Architektur: Das Stadtgebiet Hochbord am Stettbach wandelt sich von einem peripher gelegenen Gewerbegebiet in einen hochfrequentierten Stadtraum.

Direkt am Bahnhof Stettbach gelegen, besteht das Projekt Stettbach aus den Häusern Stett und Bach.  Das Punkthaus Stett besetzt mit einem markanten Bau die Ecke Bahnhof Stettbach/Zürichstrasse – Eckpfeiler und Auftakt des Quartiers Hochbord. Es sind neben Läden und Gastronomie Büroflächen für bis zu 250 Mitarbeitende und knapp 300 Mietwohnungen entstanden. Der Platz, der durch die Häuser aufgespannt wird, bündelt die Passantenströme und schafft eine attraktive räumliche Anknüpfung des Bahnhofes in das Quartier. Baubeginn war im Frühjahr 2018 und bereits im Herbst 2021 konnten die Gebäude Stett und Bach eröffnet werden, es sind schon fast alle Flächen vermietet.