Die Folgen des Klimawandels prägen bereits heute den Alltag: Mehr Hitzetage, Tropennächte und Starkniederschläge belasten insbesondere dicht bebaute Städte. Gleichzeitig verlangt die Raumplanung eine hochwertige Innenentwicklung, um Boden zu sparen und Siedlungen nach innen zu verdichten. Damit beides gelingt, muss Klimaanpassung von Beginn an fester Bestandteil der Planung sein. Der SIA-Aktionsplan Klima, Energie und Ressourcen schafft dafür den Rahmen, insbesondere mit den Handlungsfeldern «risikobasierte Klimaanpassung» und «qualitätsvolle Innenentwicklung». Ziel ist ein klimaresilientes Planen und Bauen, das Klimaanpassung und Lebensqualität im Gebäudesektor verbindet.
«Klimaanpassung ist längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.»
Wie wir risikobasierte Klimaanpassung und qualitätsvolle Innenentwicklung aus dem SIA-Aktionsplan in der Praxis umsetzen
Kopplung von grauer, grüner und blauer Infrastruktur
Amstein + Walthert versteht Klimaanpassung als gesamtheitliche Aufgabe: Graue, grüne und blaue Infrastruktur werden gezielt verknüpft, statt getrennt geplant. So entstehen klimaresiliente Quartiere, die Hitze mindern, Wasser zurückhalten, Biodiversität fördern und gleichzeitig eine hohe Nutzungsqualität sichern.
1. Gebäudetechnik und Innenraum: Komfort mit Weitblick
Viele bringen Amstein + Walthert primär mit grauer Infrastruktur wie Heizung, Lüftung oder Elektrotechnik in Verbindung. Tatsächlich entstehen gerade hier zentrale blau-grüne Lösungen, denn die Gebäudetechnik bestimmt den Energiebedarf und den Komfort im zukünftigen Klima. Beim erneuerbaren Heizungsersatz denken wir auch out of the box, etwa wenn wir einen stillgelegten Heizöltank als sichere Regenwasserzisterne weiternutzen. Wir planen mit Klimadatensätzen für 2035 und 2060, wählen Aussenluftansaugungen an kühlen, gut durchlüfteten Orten und entwickeln nachhaltige Kühlkonzepte – von energiearmen Kaltwassersystemen über adiabatische Abluftkühlung bis hin zu hocheffizienten Ammoniak-Kälteanlagen wie in der Coop-Verteilzentrale in Schafisheim. Vorrang haben dabei stets passive Massnahmen wie Verschattung und Nachtauskühlung. Thermisch-dynamische Simulationen stellen sicher, dass Räume auch langfristig behaglich bleiben – etwa beim Umbau der Bestandsbauten der F. Hoffmann - La Roche AG. Für Nutzungen mit speziellen Anforderungen an das Innenraumklima haben wir die möglichen Massnahmen anhand dynamischer Simulationen der gesamten Räume (thermische Gebäudesimulation) und der einzelnen Bauteile (hygrothermische Simulation) im Detail untersucht und optimiert.
2. Dächer und Fassaden: Energieproduktion trifft Lebensraum
Dächer und Fassaden sind zentrale Hebel, um Klimaanpassung und Energieproduktion zu verbinden. Beim von Amstein + Walthert geplanten Energiegründach der Raiffeisen Schweiz in St. Gallen zeigt sich, wie Dachbegrünung und Photovoltaik ideal zusammenspielen: Begrünte Dächer bleiben kühler, steigern den Wirkungsgrad der PV-Module und schaffen dank Schattenwurf unterschiedliche Standorte für eine vielfältige Vegetation. Das Dach wird so zugleich Energieerzeuger und Lebensraum. Wie sich dieses Prinzip auf Fassaden übertragen lässt, war Thema des A+W Input «Die sonnige Zukunft der Fassade – solaraktiv und begrünt». Dort wurde aufgezeigt, wie Gebäude im unteren Bereich begrünt und im oberen Bereich mit PV-Modulen belegt werden können – mit positiven Effekten auf Aufenthaltsqualität, Kühlung und Solarertrag. Ob sich eine Fassadenbegrünung auch als wirksame Massnahme für den sommerlichen Wärmeschutz eignet, untersucht Amstein + Walthert derzeit in zwei Projekten mit Temperaturmessungen an begrünten Fassaden.
3. Freiräume und Wasser: Die Stadt als Schwamm
Auch der Aussenraum ist ein zentraler Hebel der Klimaanpassung – wird in der Planung jedoch oft zu spät berücksichtigt. Mit Stadtklima-Analysen und Schwammstadt-Konzepten zeigt Amstein + Walthert, wo Hitze- und Wasserprobleme auftreten und welche Massnahmen wirksam sind. Im Quartier Quai Vernets in Genf haben wir dem Quartierklimamodell der Hochschule Luzern verschiedene Kennwerte zu Hitzetagen und Tropennächten simuliert. Im Soll-Zustand wurden im Modell Oberflächen entsiegelt sowie mehr und grössere Bäume gepflanzt, um deren Wirkung auf das thermische Empfinden zu beurteilen (siehe Abbildung 1).
Begrünte Flächen kühlen jedoch nur, wenn ausreichend Wasser für Verdunstung vorhanden ist – ausgetrocknete, unbeschattete Rasenflächen können sich ähnlich stark aufheizen wie Asphalt, während Bewässerung und Beschattung einen deutlichen Kühleffekt ermöglichen. Damit rückt Wasser als Schlüsselressource der Klimaanpassung in den Fokus. Auf dem Campus Baar entwickelte Amstein + Walthert ein standortangepasstes Regenwassermanagement mit mehrstufigem Rückhalt und Nutzung: Dachflächen speisen die Bewässerung der Aussenanlagen, 5’505 m² begrünte Flächen fördern Verdunstung und Versickerung, und zusätzliche Retentionsräume auf Terrassen und im Untergrund sorgen dafür, dass weniger als 10 % des Regenwassers in die Kanalisation abfliessen und theoretisch rund 69% des jährlichen Bewässerungsbedarfs über Regenwasser gedeckt werden können.
Blau-grüne Stadt als gemeinsames Ziel
Für Amstein + Walthert ist die Verbindung von grauer, grüner und blauer Infrastruktur kein Zusatz, sondern Teil einer zeitgemässen Planungskultur. Gemeinsam mit Gemeinden, Investor:innen und Planenden entwickeln wir Projekte, die im Klimawandel nicht nur bestehen, sondern aktiv Lebensqualität schaffen – von der energieeffizienten Gebäudetechnik über Energiegründächer bis hin zu klimaangepassten Freiräumen.
Wenn Sie wissen möchten, welches blau-grüne Potenzial in Ihrem Gebäude, Ihrem Areal oder Ihrer Gemeinde steckt, unterstützen wir Sie gerne mit Analysen, Konzepten und konkreten Planungen.

