Mit den Associate Partnern fördert Amstein + Walthert gezielt die nächste Generation von Führungspersönlichkeiten. Wie aber erleben die heutigen Partnerinnen und Partner ihre Rolle? Perla Colamesta spricht über Verantwortung, gemeinsame Werte und ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens.
Perla, als Partnerin trägst du Mitverantwortung für die langfristige Entwicklung von Amstein + Walthert. Was bedeutet Partnerschaft für dich?
Für mich bedeutet Partnerin zu sein vor allem, vollständig Teil von etwas zu sein, das über die eigene Funktion, das eigene Team oder den eigenen Standort hinausgeht. Es bedeutet, Verantwortung für A+W als Ganzes zu übernehmen und aktiv zur langfristigen Entwicklung, Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens beizutragen.
Dieser Status bedeutet auch, das Unternehmen sowohl in seinen Entscheidungen als auch in seinem Handeln zu repräsentieren. Er erfordert, eine gemeinsame Vision zu vertreten, das Gesamtinteresse über individuelle Interessen zu stellen und Entscheidungen mit einer langfristigen Perspektive zu treffen und mitzutragen.
Was motiviert dich, neben der Verantwortung für deinen Bereich auch die Zukunft des Gesamtunternehmens mitzugestalten?
Mich motiviert die Möglichkeit, an einem gemeinsamen Projekt mitzuwirken, das über mein eigenes Tätigkeitsgebiet hinausgeht. Die Herausforderungen, die vor uns liegen – die Sanierung des Gebäudebestands, die Dekarbonisierung, die Anpassung an den Klimawandel, die Qualität von Lebens- und Arbeitsräumen sowie die Weiterentwicklung der Baupraxis – erfordern einen ganzheitlichen Ansatz und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. Dabei dürfen wir nie das Wesentliche aus den Augen verlieren: den Komfort und die Nutzungsqualität für die Menschen, die die Gebäude nutzen.
Welche Verantwortung tragen Partnerinnen und Partner aus deiner Sicht gegenüber Mitarbeitenden, Kund:innen und dem Unternehmen als Ganzes?
Gegenüber den Mitarbeitenden sollten Partnerinnen und Partner eine klare Richtung vorgeben, Vertrauen schaffen und die Entwicklung jedes Einzelnen fördern. Sie tragen die Verantwortung, die Strategie und die Ausrichtung des Unternehmens verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln und dabei die unterschiedlichen Gegebenheiten an den einzelnen Standorten zu berücksichtigen. Ebenso sollten sie den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Standorten fördern, um das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken und die Kompetenzen innerhalb der Gruppe bestmöglich zu nutzen.
Gegenüber den Kund:innen besteht die Verantwortung darin, eine verlässliche, relevante und langfristig ausgerichtete Beratung sicherzustellen. Partnerinnen und Partner müssen darauf achten, dass die Ziele des Unternehmens, insbesondere in Bezug auf Qualität und Innovation, in konkrete und für die Kundschaft unmittelbar nutzbringende Ergebnisse umgesetzt werden.
Gegenüber dem Unternehmen tragen sie unternehmerische Verantwortung. Sie sorgen für die Qualität der Leistungen, die Wirtschaftlichkeit und ein angemessenes Risikomanagement. Gleichzeitig investieren sie in Kompetenzen, Innovation und Nachwuchsförderung. Ihre Aufgabe besteht darin, ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Erfolg, ökologischer Verantwortung und sozialer Verantwortung sicherzustellen.
Du leitest den Bereich Consulting in Lausanne. Welche Entwicklungen und Chancen siehst du derzeit für unser Unternehmen im Markt?
Der Markt entwickelt sich hin zu stärker integrierten Beratungsmandaten, die eine Begleitung der Bauherrschaften über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes ermöglichen. Besonders grosses Potenzial sehe ich in der Beratung vor Sanierungen, in der Begleitung der Planungsphasen als Bauherrenvertretung oder spezialisierte Beraterin sowie in der Unterstützung während des Gebäudebetriebs. Diese Kontinuität ermöglicht es, die ursprünglichen Ziele in klare Anforderungen zu übersetzen, Entscheidungsprozesse zu begleiten und die Umsetzung langfristig sicherzustellen.
Die Sanierung stellt dabei eine besonders grosse Chance dar. Bauherrschaften benötigen eine strukturierte Begleitung, um schrittweise Strategien zu entwickeln und die richtige Balance zwischen Energieeffizienz, Komfort, Umweltverträglichkeit, Wiederverwendung, Machbarkeit und Brandschutz zu finden. Unsere Stärke liegt darin, diese Themen in eine Gesamtperspektive einzubetten, anstatt einzelne Studien isoliert nebeneinanderzustellen.
Auch während des Betriebs kann diese Begleitung fortgeführt werden. Das Monitoring von sommerlichem Komfort und Raumluftqualität, die Optimierung des Betriebs sowie die Anpassung von Brandschutzkonzepten an veränderte Nutzungen ermöglichen es, Soll- und Ist-Zustand zu vergleichen, Abweichungen zu identifizieren und gezielte Verbesserungsmassnahmen abzuleiten. Diese Dienstleistungen gehören bereits heute zu den Entwicklungsfeldern des Consulting-Teams in Lausanne.
Die Stärke unseres Bereichs und von A+W insgesamt liegt darin, die Bedürfnisse unserer Kund:innen in eine klare und kohärente Gesamtvision zu übersetzen. Unsere Wertschöpfung besteht nicht im Nebeneinander einzelner Studien, sondern in unserer Fähigkeit, die richtigen Kompetenzen zusammenzubringen und in integrierte, praxisnahe Lösungen zu überführen.
«Unser Mehrwert liegt darin, diese Herausforderungen ganzheitlich zu betrachten, statt einzelne Studien isoliert nebeneinanderzustellen.»
Welche Themen möchtest du in den kommenden Jahren bei Amstein + Walthert besonders vorantreiben?
Wie bereits erwähnt, halte ich unsere Beratungsrolle gegenüber den Kund:innen für zentral. Heute werden Nachhaltigkeitsziele häufig auf einzelne Kennzahlen reduziert, insbesondere auf CO₂-Emissionen oder die graue Energie. Ich möchte dazu beitragen, diesen Blick zu erweitern und darauf hinzuweisen, dass Nachhaltigkeit vor allem auf einem Gleichgewicht zwischen Umwelteinwirkung, Komfort und Nutzungsqualität, Flexibilität, Ressourceneffizienz und wirtschaftlicher Tragfähigkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes beruht.
Ebenso wichtig ist für mich die stärkere Vernetzung von Menschen und Kompetenzen innerhalb von A+W. Die Gruppe verfügt über einen ausserordentlichen Reichtum an Fachwissen, dessen Potenzial noch nicht vollständig genutzt wird. Unser Ziel sollte es sein, dieses Wissen sichtbarer, zugänglicher und einfacher nutzbar zu machen – über Standorte und Sprachregionen hinweg. Ich bin überzeugt, dass das Engagement meiner Kolleginnen und Kollegen, die diese Vision teilen, diese Entwicklung weiter stärken wird. Auch die künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen, indem sie das Auffinden von Fachwissen erleichtert, den Informationsfluss verbessert und die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe fördert.
Amstein + Walthert vereint unterschiedlichste Disziplinen und Standorte. Welche Bedeutung hat diese Vielfalt für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens?
Diese Vielfalt ist eine unserer grössten Stärken. Kein einzelner Standort kann in allen Fachgebieten gleich tiefes Wissen aufbauen. Als Gruppe verfügen wir jedoch über eine aussergewöhnliche technische Kompetenz. Wenn es uns gelingt, dieses Wissen gezielt zu mobilisieren, können wir unseren Kund:innen besonders starke und passgenaue Teams anbieten.
Die regionale Vielfalt verschafft uns zudem ein tiefes Verständnis der lokalen Märkte, der kantonalen Gegebenheiten und der Erwartungen unserer Kundschaft. Die sprachliche und kulturelle Vielfalt fordert uns dazu auf, zuzuhören, zu erklären und unsere Zusammenarbeit bewusst zu gestalten. Das erfordert zwar zusätzlichen Aufwand, verbessert aber oft die Qualität der Entscheidungen.
Ich erlebe dies in der Zusammenarbeit zwischen Lausanne und Genf ebenso wie im Austausch mit Basel, Bern, Zürich und Lyon. Wir teilen Spezialistinnen und Spezialisten, Referenzen, Instrumente, Schulungen und teilweise auch Projektressourcen. Meine Erfahrung zeigt, dass letztlich die vertrauensvollen Beziehungen zwischen den Menschen den Erfolg dieser Zusammenarbeit ausmachen.
Vielfalt darf deshalb nicht nur anerkannt werden. Sie muss aktiv organisiert und gefördert werden, damit die Kompetenzen der Gruppe über Gesellschafts- und Sprachgrenzen hinweg sichtbar und nutzbar werden.
Was macht aus deiner Sicht eine starke und nachhaltige Partnerschaft innerhalb von Amstein + Walthert aus?
Eine starke Partnerschaft basiert in erster Linie auf Vertrauen. Dieses Vertrauen setzt voraus, dass man direkt miteinander spricht, wichtige Informationen teilt und akzeptiert, dass unterschiedliche Sichtweisen zu besseren Entscheidungen führen können.
Ebenso wichtig sind Loyalität gegenüber dem Unternehmen und ein gemeinsames Verständnis der langfristigen Interessen von A+W. Partnerinnen und Partner müssen offen diskutieren können, gleichzeitig aber auch gemeinsam getroffene Entscheidungen mittragen.
Eine nachhaltige Partnerschaft erfordert zudem Gegenseitigkeit. Jede und jeder sollte bereit sein, Wissen, Kontakte und Chancen zu teilen, aber auch die Unterstützung anderer Standorte oder Kolleginnen und Kollegen in Anspruch zu nehmen, wenn dies dem Projekt oder dem Unternehmen zugutekommt. Partnerschaft kann nicht funktionieren, wenn jeder ausschliesslich seinen eigenen Bereich schützt. Wenn Vertrauen, Loyalität und Wissensaustausch unser Handeln bestimmen, wird die Vielfalt der Partnerinnen und Partner zu einer echten gemeinsamen Stärke und zu einem nachhaltigen Motor für die Zukunft von A+W.
Welche Werte sollen auch in Zukunft prägend für Amstein + Walthert sein?
A+W ist in erster Linie ein Ingenieur- und Beratungsunternehmen. Unsere Stärke liegt in einer relevanten und unabhängigen Beratung, die auf fundierter Fachkompetenz und einem konsequenten Qualitätsanspruch basiert. Dieser Anspruch zeigt sich in verlässlichen Analysen sowie in schlüssigen, praxisnahen und auf die Bedürfnisse unserer Kund:innen zugeschnittenen Lösungen.
Diese Identität gründet auch auf unserer Unabhängigkeit und auf der Freiheit, die Zukunft des Unternehmens selbst zu gestalten. Dass A+W seinen engagierten Mitarbeitenden gehört, stärkt die Glaubwürdigkeit und Stabilität dieses Modells zusätzlich.
Darüber hinaus liegt mir eine Unternehmenskultur am Herzen, in der Menschen lernen, sich weiterentwickeln, Unterstützung erfahren und Sinn in ihrer Arbeit finden können. Diese Verbindung aus exzellenter Beratung, Unabhängigkeit und gemeinsamem Engagement sollte A+W auch künftig auszeichnen.
«Wenn Vertrauen, Loyalität und Wissensaustausch unser Handeln bestimmen, wird die Vielfalt der Partnerinnen und Partner zu einer echten gemeinsamen Stärke und zu einem nachhaltigen Motor für die Zukunft von A+W.»
Wenn du zehn Jahre vorausblickst: Was wünschst du dir für Amstein + Walthert?
Ich wünsche mir, dass A+W nicht nur für seine technische Exzellenz bekannt ist, sondern auch für seine Fähigkeit, Kund:innen bei strategischen Entscheidungen zu begleiten.
Ausserdem wünsche ich mir, dass wir dazu beitragen, das Bauen ressourcenschonender, widerstandsfähiger und stärker auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet zu gestalten. Mein Ziel ist, dass A+W ein unabhängiges Schweizer Unternehmen bleibt, das seinen Mitarbeitenden gehört und weiterhin als führende Referenz in den Bereichen Technik, Nachhaltigkeit und Energie wahrgenommen wird.
Unser Erfolg sollte sich dabei nicht allein an unserer Grösse messen lassen, sondern vor allem an der Relevanz, der Qualität und der nachhaltigen Wirkung unserer Lösungen.
Was möchtest du persönlich dazu beitragen, dass Amstein + Walthert auch nach 100 Jahren weiterhin erfolgreich bleibt?
Mein Ziel ist es, den Bereich Consulting in Lausanne weiterzuentwickeln und ihn gleichzeitig noch stärker im Netzwerk von A+W zu verankern. Dabei geht es nicht darum, Teams aufzubauen, die alles allein lösen können, sondern ein starkes, eigenständiges und offenes Team zu formen, das die besten Kompetenzen innerhalb der Gruppe gezielt einbindet.
Dies setzt eine Arbeitskultur voraus, die auf fachlicher Exzellenz, Zuhören, Pragmatismus, Verantwortungsbewusstsein und einer ausgeprägten Kundenorientierung basiert. Eine solche Kultur ermöglicht es uns, die Bedürfnisse unserer Kund:innen besser zu verstehen, konkrete und relevante Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig die Talente innerhalb von A+W zu fördern, damit jede und jeder sein Potenzial entfalten, Verantwortung übernehmen und zum gemeinsamen Erfolg beitragen kann.
Ebenso wichtig sind für mich Eigeninitiative und die Bereitschaft, Ideen einzubringen – sowohl zur Erfüllung der Kundenbedürfnisse als auch zur Weiterentwicklung unserer eigenen Organisation.
Damit diese Kultur langfristig Bestand hat, ist es entscheidend, die nächste Generation gezielt zu fördern, Teamleitenden und Projektleitenden schrittweise mehr Verantwortung zu übertragen und eine Organisation aufzubauen, die nicht von einzelnen Personen abhängig ist.
Wenn es mir gelingt, Menschen miteinander zu vernetzen, ihre Entwicklung zu fördern und eine neue Generation auf ihrem Weg zu begleiten, die diese Dynamik weiterträgt, dann habe ich einen konkreten und nachhaltigen Beitrag zur Zukunft von A+W geleistet.


